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 Was ich vom Profinetworker darüber lernte, was ich nicht weiß und wovon ich nicht wusste, dass ich es nicht weiß!
Kapitel 3
Das Haus und das ganze Außenherum waren sogar noch beeindruckender als ich dachte.
Zwar verblüffte mich der Profinetworker immer wieder mit seinen unerwarteten Fragen, aber Erfolg hatte er; daran bestand kein Zweifel. Das Haus war jedenfalls eine Wucht!
Es war nicht mehr ganz neu. Die Sandsteinmauern (oder Verkleidungen, ich bin kein Baufachmann) waren etwas verwaschen, aber das gefiel mir besser als wenn sie nagelneu gewesen wären. Man merkte, dass dieser Ort bewohnt war. Er war nicht unordentlich, aber dass hier menschliches und tierisches Leben zuhause war, war unübersehbar.
Ein paar Hündchen sprangen mir entgegen. "Ein weiteres Begrüßungskomitee" bemerkte der Profinetworker. "Darf ich Sie mit Frau und Herrn Vonderstraße bekannt machen? Das sind unsere Hauspudel. Ich hoffe, Sie fühlen sich bei uns ebenso pudelwohl!" Gehen wir ins Büro!"
Er wies mir den Weg zu einem der kleineren Gebäude. "Ich arbeite bereits seit vielen Jahren von zuhause aus, aber ich brauche dennoch meinen eigenen Bereich. Hier kann ich meine Sternstunden produktiv nutzen und weiß doch, dass meine Lieben in der Nähe sind".
"Sternstunden?" fragte ich nach.
"Ja. So nenne ich meine Arbeitszeiten. Wenn ich konzentriert und am Stück arbeiten will, stelle ich einen Zeitmesser auf 45 Minuten ein. In diesen Zeiten will ich völlig alleine sein, ich dulde Störungen nur im Notfall. Meine Familie weiß das und respektiert das.
Danach mache ich 15 Minuten Pause.
Diese Zeitanzeige ist parallel auch von außen sichtbar. So wissen alle, wann sie wieder mit mir rechnen können und wann sie mich am besten nicht unterbrechen sollen. In diesen Zeiten beantworte ich keine Anrufe, bleibt mein Skype aus und sehe mir keine E-Mails an.
Ich habe jeden Tag nur wenige Sternstunden, maximal vier. Aber in dieser Zeit schaffe ich mehr als andere in einem 12-Stunden-Tag.
Die räumliche Trennung ist sehr wichtig; sie hat sich wirklich bewährt."
Sein Büro war hell und freundlich. Überall waren Pflanzen. Der Bereich war zweigeteilt: Zuerst betrat man eine Art Wohnzimmer mit einer Couchgruppe. Auch ein Klavier stand dort.
Auf dem kleinen Tisch lagen einige Bücher neben der Blumenvase.
Überall hingen Hängematten dekorativ an den Wänden. "Die sind aus Südamerika. Wissen Sie, meine Frau stammt aus Ecuador" erklärte der Profinetworker, als er meinen fragenden Blick bemerkte.
Der nächste Raum war eine Bibliothek. Ich habe noch nie soviele Bücher in einem Privathaushalt gesehen!
"Alle Achtung! Der Lesestoff geht Ihnen so schnell wohl nicht aus!" sagte ich anerkennend.
"Ja", meinte er, "ich mag Bücher. Das sind meine Informationsquellen!"
"Informationsquellen?"
"Ja! sicher doch. Aber sagen Sie mir doch, was Sie aus dem Buch gelernt haben, das ich Ihnen gestern mitgab!"
"«Wovon du nicht weißt, dass du es nicht weißt» - meinen Sie das?"
"Genau das meine ich! Das ist eines der wichtigsten Bücher, das ich je gelesen habe!"
Ich war mir nicht sicher, ob er mit veräppeln wollte. Aber aus seinem Gesichtsausdruck konnte ich nichts entnehmen. Ein reines Pokergesicht trug er jetzt zur Schau. Er setzt sich hin.
Ich ebenfalls.
"Also ... na ja, ich weiß nicht so recht ..."
"Gut!" antwortete er.
Ich hätte gerne etwas Passendes gesagt, aber ich wusste immer noch nicht, was er im Schilde führte. Ich wusst einfach nicht, was ich sagen sollte.
"Ich möchte Ihnen gerne eine Geschichte erzählen. Sind Sie bereit?"
"Ja klar doch" antwortete ich.
"In Taiwan sind über neunzig Prozent Buddisten. Früher verlangte es die Tradition, dass die buddistischen Mönche von Kloster zu Koster zogen, um von den Meistern zu lernen.
Einer dieser Mönche ein besonders eifriger Schüler. Er war sehr wissbegierig und intelligent. Eines schönen Tages kam er an einem berühmten Kloster an, das neben einem der heiligen Tempel stand. Der Abt war sehr alt und weise.
Der junge Mann wurde hereingelassen und bat um eine Audienz beim ehrwürdigen Meister. Seine Hoffnung bestand darin, von diesem Herrn unterrichtet zu werden.
Der Ruf war diesem jungen Mönch bereits vorausgeeilt und so wurde er sogleich in die Räume des Abts geführt.
Das war etwas sehr Ungewöhnliches. Der junge Mann fühlte sich geschmeichelt.
Sie verbeugten sich voreinander. Dann setzten sich sich an ein Teetischen und unterhielten sich.
Der junge Mann erzählte dem Meister von seinen Reisen, von den anderen Meistern, die er bereits aufgesucht hatte und was er alles schon gelernt habe.
Er wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Der Meister hörte aufmerksam zu und bestätigte immer wieder, dass der junge Mann ein Kind des Glückes sei. Er bescheinigte ihm auch, dass er sehr intelligent sei.
Dann wurde Tee hereingebracht. Der ehrwürdige Meister begann, den Tee in die beiden Schalen auf dem Tisch zu gießen. Der junge Mann wandte sich an den Meister: 'Ich möchte gerne hierbleiben und mit Euch studieren, denn ich spüre, dass ich bei Euch viel mehr als bei den anderen lernen kann'.
Auf einmal schrie der Besucher auf. Er schüttelte sich sein Gewand und tanzte wie wild umher. Der siedendheiße Tee hatte sich über seinen Schoß ergossen!
Der Meister bliebt davon unbeeindruckt und goß weiterhin Tee in die Tasse, welche sich über den Schalenrand ergoß und auf die Matte floß, auf der der junge Mann saß.
'Was tut Ihr denn da?' schrie der junge Mönch.
'Sie verbrühen mich ja!!'
'Ich kann dir nichts beibringen, junger Freund. Geh weg von hier. Deine Tasse ist zu voll. Sie ist mehr als randvoll mit Dingen, die du weißt und anderen Dingen, die du nicht weißt. Du bist gerne willkommen, sobald du deine innere Tasse geleert hast. Dann erst bist du bereit, neues Wissen aufzunehmen!' "
Ich hatte schweigend zugehört.
Ich glaube, dass war das erste Mal seit langem, dass ich kein Gedankengezwitscher in meinem Kopf hörte. Ständig gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf, wie eine wild umherspringende Affenherde.
Endlich ergriff der Profinetworker wieder das Wort:
"Sie wollen doch ein erfolgreicher Networker werden, nicht wahr? Das ist ein Herzenswunsch von Ihnen!"
"Ja", erwiderte ich.
"Und Sie wissen einiges über dieses Geschäft. Stimmt's?"
"Ja - schon ..."
"Sie wissen auch, dass es viele Dinge gibt, die Sie über dieses Geschäft noch nicht wissen!"
Ich nickte.
Er setzte sich ein bisschen auf, so als wolle er den folgenden Worten besonderen Nachdruck verleihen.
"Was Sie bis jetzt wissen und das, von dem Sie annehmen, dass Sie es noch nicht wissen, hilft Ihnen in keiner Weise beim Aufbau eines erfolgreichen Geschäfts!"
Er machte eine kleine Pause, damit ich diesen Satz verdauen konnte.
"Der Schlüssel zum Erfolg liegt in dem, was Sie nicht wissen und wovon Sie nicht wissen, dass Sie es nicht wissen! Können Sie mir folgen?"
"Nein", antwortete ich wahrheitsgemäß.
"ich verstehe nur Bahnhof. Wie kann ich denn wissen, was ich nicht weiß und wovon ich nicht weiß, dass ich es nicht weiß? Mir schwirrt der Kopf. Ich glaube, darüber muss ist erst mal nachdenken."
"Genau das ist das Geheimnis", sagte der Profinetworker "Sie können es nicht wissen!" |
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